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© GEMA / Sebastian Linde

Julia Mihály bewegt sich als Komponistin an den Schnittstellen von Neuer Musik, Performance Kunst und elektroakustischer Musik. In der Tradition Technologie-basierter Performance stehend, verwendet sie live-elektronische Klangsynthese-Prozesse als Inszenierungsmittel. Dabei wird der Computer zum interaktiven Kammermusikpartner und der Körper zur auskomponierbaren Projektionsfläche. Sie setzt sich mit gesellschaftspolitischen Themen der aktuellen Alltags- und Medienkultur auseinander und verbindet diese mit Einflüssen aus Popkultur, Trash und Anti-Kunst.

Sie studierte klassischen Gesang und Elektronische Komposition an der Hochschule für Musik Theater und Medien Hannover und ergänzte ihr Studium mit Workshops und Kursen am ZKM Karlsruhe, am STEIM Amsterdam, bei den Stockhausen Sommer Kursen Kürten und als Teilnehmerin der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt. Nach Abschluss ihres Studiums 2012 arbeitete sie zunächst hauptsächlich als Interpretin zeitgenössischer Musik sowie als Elektronik-Performerin in dem Duo CLUBbleu. Seit 2019 konzentriert sie sich schwerpunktmäßig auf die Arbeit als Komponistin.

Julia Mihály war bisher auf verschiedenen internationalen Festivals und Konzertreihen für Neue Musik zu Gast wie z.B. beim Heroines of Sound Festival in Berlin (RADIALSYSTEM V & Berghain), Suntory Hall Tokyo, La Biennale Musica di Venezia, Ruhrtriennale, KunstFestSpiele Herrenhausen, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt, Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste, SPOR Festival Arhus , Zeitkunst Festival Rio de Janeiro, Opernfestspiele der Bayerischen Staatsoper, NTU CCA Centre for Contemporary Arts Singapore, TEMPO REALE Florenz.

Von den KunstFestSpielen Herrenhausen, dem Deutschlandfunk und dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau erhielt sie 2018 und 2019 Kompositionsaufträge für abendfüllende musiktheatrale Performances. Im Auftrag des Kulturfonds FrankfurtRheinMain entwickelte sie 2018 zusammen mit Marc Behrens und Annesley Black die audiovisuelle Installation „hyperMOODbox“ für die Hauptbahnhöfe in Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden. Im Auftrag der Stadt Offenbach am Main, entstand 2019 in Kooperation mit Tobias Hagedorn, Maria Huber und dem Ensemble hand werk ein Musiktheater anlässlich des 200. Jubiläums von Jaques Offenbach. Darüber hinaus erhielt Julia Mihály 2019 das Progetto Positano Stipendium der Ernst von Siemens Musikstiftung, in dessen Rahmen eine Instrumentalkomposition für das Berliner Ensemble Mosaik entstand. Im gleichen Jahr brachte das Hamburger Ensemble Resonanz ein Streichquartett von Julia Mihály zur Uraufführung.

2020 gründete sie nach mehrfacher Zusammenarbeit mit der Dramaturgin Maria Huber und den Komponisten Tobias Hagedorn das Musiktheater – Kollektiv Untere Reklamationsbehörde. In dieser Besetzung entstand 2020 das Stück „Terminal X – Building Our Future“, welches sich mit der Ästhetik von Protest und außerparlamentarischem Widerstand auseinandersetz. Es entstand in Kooperation mit dem Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt. Ebenfalls 2020 entwickelte sie als Gast des Performance-Kollektivs profikollektion einen Audiowalk zum Thema Frankfurter Häuserkampf der 1970er Jahre sowie eine Klanginstallation für die Produktion „Gespenster der Arbeit“, die im Rahmen der Themen- Woche „Gegen das Vergessen – Zwangsarbeit in der Naxoshalle“ in Frankfurt zu hören war.

Vom Museum für Angewandte Kunst Frankfurt erhielt sie 2020 einen Kompositionsauftrag für ein Streichquartett, welches 2021 vom Isenburg Quartett uraufgeführt wird.

Ihre Kompositionen und Radio-Features wurden bisher im Südwestrundfunk (Swr2), Bayerischen Rundfunk (BR Klassik), Hessischen Rundfunk (hr2 Kultur), Westdeutschen Rundfunk (WDR3) und dem Deutschlandfunk gesendet. 2016 veröffentlichte sie mit dem Elektronik-Duo CLUBbleu eine CD-Produktion bei dem Field-Recording Label Gruenrekorder. Seit 2020 ist Julia Mihály Mitglied der Karl-Sczuka-Preis-Jury des SWR.

Julia Mihály unterrichtet das Fach „Komposition und Technologie“ an der HfMDK Frankfurt. Sie lebt in Frankfurt am Main.

© Thomas Kujawinski (DLF), 2018