Eine bislang unbekannte Qualität der Trostlosigkeit

Streichquartett, Sandpapier und Elektronik (2020/21)

Die Komposition für Streichquartett, Sandpapier und Elektronik wurde im Rahmen der Ausstellung „ Anette Lenz. Á propos “ vom Museum für Angewandte Kunst (MAK) Frankfurt am Main in Auftrag gegeben. Im Kompositionsprozess wurde insbesondere das collagierte Arbeiten von Anette Lenz mit unterschiedlichen Materialitäten aufgegriffen, indem die Klanglichkeit des Streichquartetts mit live gespielten Sandpapier-Klängen und Aufnahmen von im Wind aufgewirbelten Abfällen kombiniert und überlagert wird. Ein weiteres Element in dieser Collage bildet die Transkription von Sprache in die Instrumentalstimme der Bratsche. Hierfür wird eine Textpassage aus dem Roman „Melancholie des Widerstands“ von László Krasznahorkai verwendet, aus der auch der Titel des Stückes stammt: „Eine bislang unbekannte Qualität der Trostlosigkeit“. Neben der Collage bildet der Umgang mit Zeit, insbesondere dem Vergehen von Zeit und dessen Wirkung einen weiteren wichtigen Aspekt des Stückes. Hierfür war besonders die Roman-Verfilmung von Béla Tarr eine inspirierende Kraft.

Das Stück ist für das Isenburg Quartett geschrieben. Besetzung: Jagdish Mistry (Violine 1), Diego Ramos Rodríguez (Violine 2), Laura Hovestadt (Viola)
Michael M. Kasper (Violoncello).

Aus dem Roman „Az ellenállás melankóliája“ [„Melancholie des Widerstands“] von László Krasznahorkai:

Original:
„…hogy „figyelmesebben szemlélve a dolgot”, elűzhetetlen jóakarójának véleményétől eltérően „szeretett szülőhelye” valójában nem olyan látványt nyújt, mint amelyik egy világvége előtt áll, hanem inkább olyat, mint amelyik már túl van rajta. Meglepő volt, hogy a járókelők bárgyú céltalansága, az ablakokból kikukucskáló arcok eseményre éhes időtlen türelme, egyszóval „a szellemi tompaság megszokott trágyaszaga” helyett a báró Wenckheim Béla sugárút és a környező néhány utca a kietlenségnek egy mind ez ideig ismeretlen minőségében mutatta magát, s a tekintetek „irdatlan ürességét” szembeötlően az elhagyatottság sivatagi némasága váltotta fel.“

Deutsche Übersetzung:
„ ‚Bei aufmerksamerem Hinsehen‘ bot seine ‚geliebte Geburtsstadt‘, abweichend von der Meinung seines nicht abzuschüttelnden Wohltäters, genau genommen nicht den Anblick, als stände sie vor dem Weltuntergang, sondern eher, als hätte sie ihn bereits hinter sich. Überraschend war es, dass sich statt der schwachköpfigen Ziellosigkeit der Passanten, der ereignishungrigen zeitlosen Geduld aus den Fenstern gaffender Gesichter, kurz, statt des ‚gewohnten Mistgeruches geistiger Stumpfheit‘ in der Baron-Béla-Wenckheim-Straße und den wenigen umliegenden Gassen eine bislang unbekannte Qualität der Trostlosigkeit zeigte, in der die ‚ungeheure Leere‘ der Blicke auffällig einer wüstenhaften Stummheit des Verlassenseins Platz gemacht hatte.“