instrumental
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dried up sounds

für Streichquartett
„Dried up sound“ entstand im Frühjahr 2025 als Teil der Musikperformance „großBkleinG – Über Hütten und Paläste“ des Kollektivs Untere Reklamationsbehörde. Aufführungsort war eine Kleingartenparzelle unterhalb des Fernsehturm Frankfurt – ein Ort zwischen urbanem Raum, Rückzugsort und provisorischer Natur. Die besondere Umgebung wurde dabei nicht nur zur Bühne, sondern auch zum Ausgangspunkt des kompositorischen Materials.
Im Winter 2024/25 entstanden in derselben brachliegenden Gartenparzelle umfangreiche Field Recordings. Im Zentrum stand die akustische Erforschung vertrockneter Pflanzen – Materialien, die scheinbar still und leblos erscheinen, deren Oberflächen jedoch durch Berührung, Bewegung oder Reibung ein überraschend vielfältiges Klangspektrum freisetzen. Disteln, trockenes Moos, welke Blätter und abgestorbene Pflanzenstrukturen erzeugten fragile perkussive Geräusche, feine Rauschklänge und unregelmäßige rhythmische Muster. Die Aufnahmen dokumentieren nicht nur eine winterliche Landschaft, sondern auch einen Zustand des Übergangs: zwischen Verfall und Neubeginn, zwischen Ruhe und neu aufkeimendem Leben.
Diese Klangbeobachtungen bilden den Ausgangspunkt der Komposition. Dabei geht es nicht um eine unmittelbare Nachbildung natürlicher Geräusche durch die Instrumente, sondern um eine Übersetzung atmosphärischer Eindrücke in eine eigenständige musikalische Sprache. Das Streichquartett greift Texturen, Reibungen und mikrorhythmische Prozesse auf, die an trockene Pflanzenoberflächen erinnern, ohne sie illustrativ zu imitieren. Geräuschhafte Klänge, fragile Artikulationen und feine Bewegungen innerhalb des Klangs erzeugen eine Struktur, die sich aus kleinen Veränderungen und sensiblen Übergängen entwickelt.
Die klangliche Grundlage des Werkes entstand in einer winterlich erstarrten Landschaft, während die Uraufführung im Frühsommer stattfand – zu einem Zeitpunkt, an dem dieselbe Gartenparzelle längst wieder von dichtem Grün überwachsen war. Das Stück bewegt sich dadurch zwischen Erinnerung und Gegenwart: Es konserviert Spuren eines vergangenen Zustands und setzt sie in Beziehung zu einem Ort, der sich bereits verändert hat. „Dried up sound“ versteht vertrocknete Pflanzen nicht allein als Zeichen von Vergänglichkeit, sondern als Teil eines zyklischen Prozesses. Das scheinbar Ausgediente bleibt klanglich präsent und verweist zugleich auf das Wiedererblühen im Frühjahr. Zwischen Fragilität und Erneuerung entsteht ein musikalischer Raum, in dem natürliche Prozesse von Vergehen, Ruhe und Wachstum hörbar werden.

2025, komponiert für das Fabrik Quartet.
Premiere Mai 2025, Kleingartenverein KGV Bockenheim, in Kooperation mit dem Theater LANDUNGSBRÜCKEN Frankfurt am Main. Weitere Aufführungen: April 2026, Darmstadt INMM 79. Frühjahrstagung