instrumental
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Disappointment Diaries

für Flöte, Violine, Cello, Synthesizer, Sampler, Zuspielung und video
Disappointment Diaries (if one door closes, another one opens in your face)
Unsere Wahrnehmung der Gegenwart ist geprägt von Erinnerungen und Zukunftserwartungen. Vergangenes bleibt fragmentarisch gespeichert, Manches nur als flüchtiger Eindruck, Anderes als prägende Erfahrung. Gleichzeitig entstehen Vorstellungen von Zukünftigem stets im Dialog mit dem bereits Erlebten – optimistisch oder pessimistisch gefärbt durch persönliche Erinnerung.
Disappointment Diaries nähert sich diesem inneren Prozess als schneller Gedankenstrom, in dem sich Erinnerung, Gegenwart und Erwartung untrennbar miteinander vermischen. Das Stück entstand 2019 während meines Aufenthaltsstipendiums in der Villa Kempff in Positano. Die Ruhe und Abgeschiedenheit dieses Ortes, eingebettet in eine fast unwirkliche (weil ununterbrochen idyllische) Postkartenlandschaft mit Blick auf das Meer, eröffneten mir einen Raum für Reflexion. Nach intensiven Jahren zuvor stellte sich ein Gefühl des Zurückgeworfenseins auf sich selbst ein – begleitet von Erinnerungen unterschiedlicher Lebensphasen, die sich mit aktuellen Alltagseindrücken überlagerten. Unzählige Gedanken erschienen dabei nicht als lineare Erzählung, sondern als lose, ungeordnete Fragmente: kurze Sequenzen, die wie Puzzleteile ohne klare Ordnung nebeneinander stehen.
Diese Idee prägt die musikalische und visuelle Struktur des Werkes. In schneller Abfolge entstehen Momentaufnahmen, die keine Distanz zur Reflexion zulassen. Im Video folgen alltägliche Szenen und Kindheitsfotografien in rascher Montage aufeinander; musikalisch verweben sich die Instrumente in kurzen, hochverdichteten Gesten. Der Klang ist stark elektronisch geprägt, zeitliche Verschiebungen zwischen den Stimmen werden vermieden. Stattdessen entsteht ein dichtes Netz aus simultanen Bewegungen, in dem einzelne Ereignisse unmittelbar ineinandergreifen.
Disappointment Diaries entstand im Rahmen des Progetto-Positano-Stipendiums der Ernst von Siemens Musikstiftung für das ensemble mosaik. Die Uraufführung fand im Rahmen der KONTAKTE ’19 – Biennale für Elektroakustische Musik und Klangkunst an der Akademie der Künste Berlin statt. Weitere Aufführungen erfolgten durch das Ensemble New Babylon sowie das Hashtag Ensemble.